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Was für ein Theater - die Podiumbühne tobt
09. June 2017


 

Wie verwandelt man die knarzigen Bretter der Podiumbühne in das Luxusdeck eines Kreuzfahrtschiffes? Ganz einfach: man engagiert die Goetheschul- Theatergruppe und lässt sie ihr komödiantisches Talent präsentieren.
Im Handumdrehen entwickeln sich schwere Turbulenzen – und das nicht etwa durch Wetterkapriolen auf hoher See, sondern durch eine muntere Mischung skurriler Charaktere und bunter Vögel unter den Passagieren und der Crew. Der amüsierte Zuschauer beobachtet das Sonnendeck des Schiffes als Brennglas der gesellschaftlichen Schichtung. Smarte Geschäftsleute kommen dort in Kontakt mit affektiertem Adel, dieser wiederum fühlt sich von den nervigen Böllers – die genau so auftreten wie sie heißen und scheinbar dem Nachmittagsprogramm von RTL 2 entsprungen sind – belästigt. Wenn an einem Tisch Sommertrüffel und Entenbrust bestellt werden und nebenan genießt man mit viel Getöse Pommes mit Mayo und großer Cola, dann sorgt das eben für entsprechende Nebengeräusche.
Für die besonderen Höhepunkte und etliche Schenkelklopfer sorgten Emmi Esefeld und Timo Unbehau in ihrem Part als Oma und Opa Seppelmeier. Sie – trotz diverser körperlicher Gebrechen vorlaut, aufgekratzt und hyperaktiv – fungiert als quasselnde Orientierungshilfe für ihren scheinbar senilen, stets überfordert dreinblickenden und unpassende Kommentare abgebenden Ehemann, der wie eine Mischung aus Herbert Knebel und Heinz Becker daherkommt. Emmi und Timo mischen mit ihren Sprüchen und der Intensität ihres Spiels das Geschehen gehörig auf.
Und zum Schluss wird auch noch klar, was das Ganze zum Krimi macht. Die Stewardess entpuppt sich als Geheimagentin, das wertvolle Halsband des adligen Hündchens wurde in Marokko geklaut und die Verbrecher müssen sich an Bord befinden. Jeder verdächtigt Jeden. So reden wenigstens alle miteinander, bis ausgerechnet die Seppelmeiers als Räuberpärchen und Verursacher des chaotischen Treibens enttarnt werden.

Sollte der Autor dieser Krimikomödie beim Schreiben ein bunt-anarchisches Stelldichein blasierter, versnobter, prolliger und hipper Figuren im Kopf gehabt haben, so werden seine Intentionen in dieser gelungenen Aufführung durch Können, Spielfreude, Humor und Finesse der jungen Schauspieler perfekt umgesetzt. Erstaunlich, wie die Akteure den Probenaufwand, die Textfülle und all die organisatorischen Herausforderungen neben ihrem Schulalltag bewältigten. Genauso bemerkenswert, wie das Leitungsteam um Birgit Reichwage und Christiane Richter es immer wieder schafft, solch ansprechende Theaterstücke ohne Substanzverlust in die begrenzten Möglichkeiten eines Schultheaters zu transformieren. Respekt!

So ist am Ende wirklich alles ALL INKLUSIVE: Spaß und Spannung an Bord sowie ein blendend unterhaltenes und amüsiertes Publikum. Das alles lässt nur einen Schluss zu: Weiter so!


 

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